
Ein zentrales Fazit des Workshops: Die Erreichung der Klimaziele im Bauwesen ist ohne gezielte Werkstoffentwicklung nicht realistisch. Materialien bestimmen nicht nur den CO₂‑Footprint von Bauwerken über ihren Lebenszyklus, sondern eröffnen zunehmend auch aktive Beiträge zu CO₂‑Speicherung, -Nutzung und -Abscheidung. Genau an dieser Schnittstelle setzen neue materialwissenschaftliche Ansätze an – von optimierten Bindemitteln über funktionalisierte Oberflächen bis hin zu neuartigen Adsorbermaterialien.
In den Vormittagsbeiträgen wurde deutlich, wie stark sich Negativemissionstechnologien im Bereich der Baumaterialien bereits konkret entwickeln. Vorgestellt wurden unter anderem:
Die Diskussionen zeigten, dass der Erfolg dieser Ansätze wesentlich von einer gezielten materialwissenschaftlichen Auslegung abhängt – etwa hinsichtlich Mikrostruktur, Langzeitstabilität, Verarbeitbarkeit und Normierbarkeit.

Am Nachmittag verlagerte sich der Fokus auf holz‑, agrar‑ und biobasierte Materialien sowie auf neue Substanzklassen mit spezifischen Funktionen für das CO₂‑Management. Beiträge zu Kohlenstoff aus Methanpyrolyse in Asphalt, Tonschaumisolierungen und Metal‑Organic Frameworks (MOFs) zur Point‑of‑Use‑CO₂‑Abscheidung verdeutlichten, wie stark klassische Bauanwendungen durch materialbasierte Funktionalisierung erweitert werden können.
Besonders sichtbar wurde dabei: Nicht einzelne Produkte, sondern materialbasierte Systemlösungen – inklusive passender Design‑, Prüf‑ und Anwendungsstrategien – sind entscheidend für die Umsetzung in der Praxis.
Der Materials‑IQ‑Ansatz, den das Hightech Zentrum Aargau AG gemeinsam mit seinen Partnern verfolgt, zielt genau auf diese Übersetzung ab: von der materialwissenschaftlichen Idee über industrielle Skalierung bis hin zur konkreten Anwendung im Bauprojekt. Der Workshop an der Empa zeigte exemplarisch, wie wichtig der strukturierte Dialog zwischen Forschung, Industrie, öffentlicher Hand und Planung ist, um neue Werkstofflösungen wirksam in die Baupraxis zu bringen.
Ein grosser Dank gilt der Empa als Gastgeberin – insbesondere Pietro Lura – sowie dem NTN Innovative Surfaces mit Jörg Güttinger und Andreas Hafner für die gemeinsame Organisation und Moderation des Anlasses. Ebenso bedankt sich das Organisationsteam bei den zahlreichen Referentinnen und Referenten aus Industrie, Forschung und öffentlicher Hand, die den Workshop durch ihre praxisnahen Beiträge geprägt haben.
Der Materials‑IQ‑Workshop hat deutlich gemacht: CO₂‑optimiertes Bauen ist keine Zukunftsvision mehr, sondern ein dynamisches Entwicklungsfeld, in dem innovative Werkstoffe eine zentrale Rolle spielen – vorausgesetzt, Entwicklung, Anwendung und Regulierung werden konsequent zusammengedacht.