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Viele Aargauer KMU stecken in der Busy Trap fest

Interview mit Bernhard Isenschmid in der Aargauer Wirtschaft 07/08-2026

Er leitet den Bereich Digitale Technologien und Automation beim Hightech Zentrum Aargau. Er unterstützt Unternehmen dabei, neue Technologien zu entwickeln und anzuwenden. Wir haben mit ihm über die Arbeitswelt von morgen gesprochen.

Unsere Arbeitswelt befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel – geprägt durch Digitalisierung, künstliche Intelligenz (KI) und Automatisierung. Wie stark wird sie sich in den kommenden Jahren verändern? Welche Trends sind schon jetzt zu beobachten?

Die Arbeitswelt wird sich deutlich verändern, aber weniger spektakulär, als es manche Schlagzeilen vermuten lassen. Es geht nicht einfach darum, Menschen durch Maschinen zu ersetzen. Vielmehr werden Tätigkeiten neu zusammengesetzt: Routineaufgaben, Informationssuche, Textarbeit, Übersetzungen, Datenanalysen und administrative Abläufe lassen sich zunehmend digital unterstützen oder automatisieren. 

KI betrifft dabei nicht nur einzelne Tools, sondern Führung, Organisation und Kompetenzen. Dabei entfaltet KI ihren Wert erst, wenn sie in Strategie, Prozesse und Alltag verankert wird. Gleichzeitig verändern sich die Anforderungen an Mitarbeitende: Lernfähigkeit, Veränderungsbereitschaft, digitale Grundkompetenzen und die Fähigkeit, Technologie sinnvoll einzusetzen, werden zentral. Aktuell betrifft das vor allem Wissensarbeitende; Berufe in der physischen Arbeitswelt werden so schnell nicht ersetzt. 

Wie gut sind Aargauer KMU auf den Arbeitsmarkt der Zukunft vorbereitet? 

Viele Aargauer KMU sind leistungsfähig, pragmatisch und nahe am Markt, aber unterschiedlich gut vorbereitet. Die eigentliche Herausforderung liegt in der Umsetzung. Oft fehlt die Zeit, um Digitalisierung sorgfältig anzugehen. Ich beschreibe dieses Phänomen als Busy Trap. KMU erkennen zwar die Bedeutung der Digitalisierung, priorisieren im Tagesgeschäft aber häufig Liefertreue, Kundenaufträge und operative Stabilität. Diesen Zyklus gilt es zu durchbrechen. 

Was können Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber bereits heute tun, um den Anschluss nicht zu verpassen?

Arbeitgeber sollten Digitalisierung und KI als Führungsaufgabe verstehen. Zentral ist, konkrete Anwendungsfelder zu identifizieren: Wo gibt es repetitive Arbeiten, Zeitverluste, Fehlerquellen oder Wissenslücken? Wo könnten Mitarbeitende entlastet werden? Ebenso wichtig ist, Mitarbeitende im Umgang mit digitalen Werkzeugen zu stärken. Technik allein reicht nicht; entscheidend ist das Zusammenspiel von Menschen, Arbeitsort und Technologie. KMU sollten kleine Experimente ermöglichen, zum Beispiel KI-Piloten, automatisierte Reports, digitale Wissenssysteme oder Prozessanalysen. Datenschutz, Cybersecurity und Datenqualität müssen von Anfang an mitgedacht werden.

Sie arbeiten für das Hightech Zentrum Aargau und begleiten Unternehmen mit praxisnaher Innovationsberatung. Wie sieht diese Unterstützung konkret aus?

Das Hightech Zentrum Aargau ist die Drehscheibe für Innovation im Kanton Aargau. Es bietet niederschwelligen Zugang zu Technologien, Fördermitteln und Netzwerken. Im Bereich Digitale Technologien und Automation helfen wir Unternehmen, Potenziale zu erkennen und realistische Umsetzungsprojekte abzuleiten. Das kann Prozessanalysen, Automatisierung, KI-Anwendungen, Datenplattformen, Wissensmanagement, Cybersecurity oder Softwareevaluationen umfassen. Ein Beispiel ist der KMU-DigitalScan: Dabei durchleuchten wir zentrale Prozesse, identifizieren Optimierungspotenziale und erarbeiten eine Roadmap.

Welche Rolle spielt der Kanton Aargau dabei?

Der Kanton spielt eine wichtige Enabler-Rolle. Mit dem Hightech Zentrum Aargau schafft er eine Struktur, über die KMU Zugang zu Innovationswissen, Technologiekompetenz, Hochschulen, Umsetzungspartnern und Fördermöglichkeiten erhalten. Er gibt Digitalisierung nicht vor, sondern schafft Rahmenbedingungen, Orientierung und Zugang zu relevantem Wissen – auch durch Anlässe wie das Arbeitgebenden-Forum im Oktober, bei dem es um die Arbeitswelt der Zukunft geht.

Quelle: Aargauer Wirtschaft / Ausgabe 07/08-2026

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