Hightech Zentrum Aargau
ProjektBotanica GmbH, Sins

Der richtige Extrakt ist gefunden

#887

Das Hightech Zentrum Aargau hat Botanica bei der Lösung eines Problems unterstützt, mit dem sich die Konkurrenz des KMU aus dem Freiamt vergeblich abgemüht hatte: Es gelang, den Prozess der Herstellung von Pflanzenextrakten zu vereinfachen.

Blüten, Blätter, Knospen, Früchte, Wurzeln und Rinden bilden die Rohstoffbasis der Botanica GmbH. Aus einem Sortiment von über 1000 Pflanzenrohstoffen entwickelt und produziert das Unternehmen kundenspezifische, flüssige Extrakte, die für kosmetische Formulierungen verwendet werden. Die verwendeten Pflanzen stammen aus Kulturen oder aus kontrollierten Wildsammlungen. Die Trägermaterialien der Pflanzenextrakte sind wasser- oder öllöslich. Die Rohstoffe werden im Produktionsprozess mit Wasser extrahiert. Danach wird der Extrakt mittels Glycerin auf die bestellte Konzentration gebracht. Eine direkte Extraktion mit einem Glycerin-Wasser-Gemisch war in diversen Fällen aus technischen Gründen nicht möglich.

Marco Romanelli, Technologie- und Innovationsexperte des HTZ, klopfte bei der Botanica an und nahm eine Projektidentifikation vor. Er fand bald den passenden Entwicklungspartner: Das Institute of Materials and Process Engineering der ZHAW in Winterthur. Die vom HTZ-Experten initiierte Machbarkeitsstudie verlief erfolgreich und wurde zur Basis für ein Folgeprojekt. Dieses wurde vom Forschungsfonds Aargau mitfinanziert. Romanelli stuft die Zwischenresultate als «sehr vielversprechend» ein.

Andreas Wälti, CEO Botanica GmbH, Sins

«Mir war nicht bekannt, wie pragmatisch und praxisnah das Hightech Zentrum Aargau auch KMU unterstützt. Zum Glück kam Herr Romanelli bei uns vorbei und hat mich darüber aufgeklärt. Die Unterstützung war für uns sehr wertvoll.»

Vorteile liegen auf der Hand

In einer ersten Phase standen die Laborentwicklung des gewünschten Verfahrens und der Aufbau einer Versuchsanlage im Mittelpunkt. Anschliessend wurde erprobt, ob das angewendete Verfahren auch in einem industriellen Massstab skalierbar wäre. Die Vorteile liegen auf der Hand: Die Extrakt-Ausbeute ist grösser. Auch lassen sich Stoffe extrahieren, die schlechter wasserlöslich sind; auf diese Weise können auch neuartige Pflanzenextrakte hergestellt werden. Weiter kann die Qualität von bestehenden Produkten gesteigert werden, zum Beispiel in Bezug auf die chemische Stabilität und die geringere Anfälligkeit gegenüber Mikroorganismen im Lauf der Produktion. Die gesamte Prozesszeit wird wesentlich verkürzt.

Botanica verspricht sich von einem positiven Studienverlauf einen deutlichen wirtschaftlichen Nutzeffekt und eine Stärkung ihrer Marktstellung. Das 1999 gegründete KMU will eigenfinanziert bleiben, weiter wachsen und die Zahl der Arbeitsplätze (aktuell 36) weiter erhöhen. Zwei Drittel des Umsatzes stammen aus dem Export. Geführt wird Botanica von Andreas Wälti (46), dem Sohn der Firmengründerin Margret Wälti. «Mir war bis vor diesem Projekt nicht bekannt, wie pragmatisch und praxisnah das Hightech Zentrum Aargau seine Unterstützung auch KMU anbietet. Für uns war dies sehr wertvoll», sagt Andreas Wälti.

Auf einen Blick

Botanica produziert Pflanzenextrakte. Das HTZ hat das KMU im Rahmen einer Machbarkeitsstudie unterstützt. Entwickelt wurde dabei ein innovatives Extraktions- und Trennverfahrens, mit dem sich die Produktqualität weiter steigern und der Aufwand verringern lässt.

Prof. Dr. Daniel M. Meier, Leitung Labor für Verfahrenstechnik am Institut für Material- und Prozesstechnik der ZHAW Winterthur, Botanica GmbH

«Dank der vom Hightech Zentrum Aargau unterstützten Zusammenarbeit zwischen dem Verfahrenstechnischen Labor des Instituts für Material- und Prozesstechnik der ZHAW und der Botanica GmbH konnten wir unsere Kompetenz im Abtrennen von Mikropartikeln weiter ausbauen. Besonders spannend war dabei die Kombination von Technologie und Natur, da vom Industriepartner hochwertige, kristallklare Naturstoffextrakte gefordert sind. Bei der Entwicklung der neuen Verfahren und Produkte war die Erfahrung der Botanica GmbH und der Berater des HTZ äusserst hilfreich, sodass künftig in Sins noch mehr hochwertige, innovative Produkte für den Weltmarkt der Kosmetikindustrie produziert werden.»