Hightech Zentrum Aargau

Das Hightech Zentrum Aargau und die Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW haben die Brugg Kabel AG bei einem strategischen Forschungsprojekt unterstützt. Ein zentraler Ansatzpunkt ist die Vermeidung teurer und unnötiger Stromnetzausbauten.

Die Brugg Kabel AG (Markenname: «Brugg Cables») hat sich international als Anbieter von Kabeln und Kabelgarnituren, Systemlösungen und Dienstleistungen solid positioniert. Die Hauptkunden sind Kraftwerksbetreiber und Schaltanlagenhersteller, angestrebt wird eine Ausweitung auf Industriekunden. Die fortschreitende Integration erneuerbarer Energien bedingt, dass die Netze für die Stromübertragung und -verteilung weiterentwickelt werden. Hohe Ausbaukosten müssen vermieden und die Netzausnutzung optimiert werden. Immer wichtiger werden Netz- und Lastmanagement-Systeme. Das Hauptziel des Projekts mit der Brugg Kabel AG ist die Entwicklung eines Systems, das die genaue Abschätzung und Ausnützung der tatsächlich verfügbaren Netzkapazitäten ermöglicht. Gleichzeitig soll ein effizientes Monitoring-System erstellt werden. Im Vordergrund stehen Hochspannungsanlagen und speziell Energiekabel.

Die Vorteile von Sensordaten

Durch die Gewinnung von Zustandsinformationen mit Sensoren, zum Beispiel die Abschätzung der Restlebensdauer von Kabeln, Muffen und Endverschlüssen, wird ein proaktives Netzmanagement ermöglicht. Umfassende Sensordaten erlauben eine genauere Beurteilung der Sicherheit eines Stromnetzes, etwa mit Temperaturmessungen an den Kabeln. Zudem dient eine breite Datenbasis zur Verbesserung der betrieblichen Flexibilität aufgrund von Entscheidungen durch intelligente Algorithmen.

Das Know-how des Mentors

Forschungspartner ist das Institut für Elektrische Energietechnik IEE der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW. Mitfinanziert wird das Projekt von der Innosuisse – auch ein Verdienst des HTZ: Experte Beat Dobmann ist auch als Innovationsmentor bei der Innosuisse akkreditiert. Er unterstützt Forschungs- und Wirtschaftspartner bei der Konzipierung von Förderprojekten. Bei Innosuisse-Projektanträgen beträgt die durchschnittliche Akzeptanzquote rund 50 Prozent. Das HTZ erreicht als Folge der hohen Projektkompetenz und der Erfahrung im Umgang mit Innosuisse-Studien überdurchschnittliche Akzeptanzquoten. Mit zu den Hausaufgaben des Mentors gehören die präzise Formulierung des Innovationsgehalts, die Prüfung des «Business-Case» auf seine Realisierbarkeit und die realistische Darstellung der Projektrisiken. Zielführend war im vorliegenden Fall die Kombination von wissenschaftlicher IT- und Sensortechnik-Kompetenz der FHNW, Business- und Technologiekompetenz der Brugg Kabel AG sowie das Mentor-Know-how.

Auf einen Blick

Das HTZ hat massgeblich dazu beigetragen, dass die Brugg Kabel AG eine Innosuisse-Studie durchführen konnte. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse tragen dazu bei, dass das Aargauer Unternehmen seine Position im wachsenden Segment des Energiekabel-Monitorings weiter ausbauen kann.

Nachgefragt beim Forschungspartner: Martin Geidl, FHNW

Das Institut für Elektrische Energietechnik IEE der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW ist als  Forschungspartner in das Projekt mit der Brugg Kabel AG involviert – mit wie vielen Ressourcen?

Zwei wissenschaftliche Mitarbeitende und ich arbeiten an diesem Projekt. Insgesamt leisten wir knapp 200  Personentage über die Projektlaufzeit von drei Jahren. Unsere Kollegen vom Institut für Mobile und Verteilte Systeme  der FHNW werden 280 Personentage beisteuern. Sie bearbeiten den IT-Teil des Projekts.

Wie nah dran sind Sie als Leiter des Instituts?

Ich habe natürlich hauptsächlich Managementaufgaben im Projekt. Punktuell bin ich aber sehr nahe dran. Zum Beispiel  haben wir gerade heute bei uns im Labor ein neues Sensorsystem aufgebaut. Da habe auch ich Hand angelegt.

Gab es im Kontext dieses Projekts eine besondere Herausforderung?

Eine Herausforderung besteht darin, dass unser Teil des Projekts einen sehr explorativen Charakter hat. Wir wissen,  womit wir suchen, aber nicht genau wonach. Wir betreten also wirklich Neuland. Das ist spannend, aber es braucht viel  Geduld und Beharrlichkeit.

Hat diese Kooperation für Sie bzw. das Institut einen besonderen Nutzeffekt?

Für uns haben die Kabelwerke Brugg als Industriepartner und das HTZ natürlich eine besondere Bedeutung. Wir sind  Nachbarn, und es gibt viele informelle und formelle Verbindungen. Einer unserer Absolventen arbeitet heute bei den  Kabelwerken und ist auf deren Seite im Projekt dabei.

Welche Rolle spielen Innosuisse-Projekte und Machbarkeitsstudien mit dem HTZ für Sie?

Als Fachhochschule haben wir einen regionalen Fokus. Das Förderinstrument der Machbarkeitsstudie ist aus unserer  Sicht ideal für kleinere Projekte mit KMU aus dem Aargau. Für grössere Projekte bietet sich Innosuisse an, dafür  bekommen wir vom HTZ sehr speditive und unkomplizierte Beratung und Unterstützung in der Vorbereitung. Die  Experten am HTZ sind äusserst motiviert und kompetent. Ihre Erfahrung ist Gold wert, wenn es jeweils darum geht, das  passende Förderinstrument zu finden und die Anträge zu verfassen. Sie wissen, worauf es ankommt.

Ihr Institut?

Das IEE der FHNW wurde 2018 gegründet und beschäftigt heute 25 Mitarbeitende, darunter sechs Professorinnen und  Professoren.

Zur Person: Prof. Dr. Martin Geidl

«Ich bin 43 Jahre alt, habe an der TU Graz Elektrotechnik studiert und an der ETH Zürich promoviert. Anschliessend habe ich 10 Jahre in der Schweizer Strombranche gearbeitet, zuerst bei Swissgrid und später bei Tiko Energy Solutions. 2018  kam ich an die FHNW, wo ich das IEE seit dessen Gründung leite.»