ProjektCoperitus GmbH, Gipf-Oberfrick

Genial einfach

#1724

Wenn Luft im Heizsystem bleibt, drohen Störungen, Energieverluste und teure Reparaturen. Das muss nicht sein: Die Fricktaler Coperitus GmbH hat eine ebenso einfache wie kostengünstige Alternative zur herkömmlichen Vakuumentgasung entwickelt.

Aus technischer Sicht müssten Warmwasserheizungen regelmässig entlüftet werden. In Überbauungen kommen Vakuumentlüfter zum Einsatz. «In den meisten anderen Liegenschaften», weiss Coperitus-Gründer Jürg Bichsel, «wird von Hand entlüftet – wenn überhaupt.» Die Folge: chemische Prozesse im Wasser sowie Leckagen lassen in den Leitungen und Radiatoren ein Gemisch aus Sauerstoff, Stickstoff und Kohlendioxid entstehen, das das Funktionieren der Anlagen beeinträchtigt.

«Jürg Bichsel erkannte als innovativer Kleinunternehmer die Möglichkeit, mit DEGAS das lange bestehende Problem einer ganzen Branche zu lösen.»

Reto Eggimann, Technologie- und Innovationsexperte

Weniger Komfort, höherer Energieverbrauch

Die Gase verursachen Geräusche, die den Wohnkomfort verringern. Ausserdem beschädigen sie die Pumpen und verkürzen die Lebensdauer der Anlagen. Und vor allem reduzieren sie die Effizienz der Wärmeverteilung; zum einen, weil Gase die Wärme weniger gut leiten als Wasser; zum anderen, weil sich Gaspolster vorzugsweise an der höchsten Stelle im Wasserkreislauf sammeln, was bei den betroffenen Radiatoren zum Totalausfall führen kann.

All diese Probleme sind bekannt. «Aber die Branche hat sich damit abgefunden», kritisiert Jürg Bichsel. Der heute 67 Jährige darf sich ein offenes Wort erlauben. Er verbrachte sein ganzes Berufsleben in der Heizungs-, Lüftungs- und Klimatechnik (HLK); als Ingenieur und Manager in Grossunternehmen, als Hochschuldozent und ab 2020 als Bauherrenberater mit der Coperitus GmbH.

Dabei wäre es wohl geblieben, wenn ihn nicht Mitte 2021 ein ehemaliger Kollege von der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW angerufen hätte: Ralph Eismann vom Institut Nachhaltigkeit und Energie am Bau. Dieser präsentierte ihm seine Idee zur Entgasung und Entlüftung von Heizkreisläufen unter Nutzung des Venturi-Effekts.

Das Konzept von DEGAS: Der Heizkreislauf erhält einen Bypass, durch den jeweils ein Teil des Wassers fliesst. An der engsten Stelle, bei der Venturi-Düse, sinkt der Wasserdruck so stark ab, dass Dampf entsteht. Dadurch verliert das Wasser die Fähigkeit, Gase zu binden – sie werden freigesetzt und können abgeführt werden. Jürg Bichsel besprach sich mit seinem damaligen Geschäftspartner und stieg als Industriepartner ein.

Kommerzialisierung läuft auf Hochtouren

«Bypass, Pumpe und Steuerung: das reicht, um eine Heizung permanent zu entgasen», erklärt der Coperitus-Chef. Der günstigste Vakuumentlüfter kostet aktuell rund 5000 Franken; zu viel für private Hauseigentümer. Jürg Bichsel peilt einen Gestehungspreis von rund 2000 Franken an. Voraussetzung dafür ist die Verwendung von industriell verfügbaren Komponenten. Die Suche nach Lieferanten läuft.

Im zweiten Quartal 2026 will Bichsel mit Degas «in ein Objekt gehen». Es soll in der Heizperiode 2026/27 belastbare Messdaten liefern; insbesondere zur Energiebilanz der Heizungen. Wie die Innovation vermarktet werden soll, ist noch offen. Als Vertriebskanäle bieten sich die HLK-Industrie, das Heizungs- und Sanitärgewerbe oder Fachplaner und Architekten an. Sicher ist für Bichsel nur eines: «Produzieren wird ein Schweizer KMU.»

Auf einen Blick

Das HTZ führte mit der Coperitus GmbH eine Machbarkeitsstudie beim Institut Nachhaltigkeit und Energie am Bau der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW durch. Es begleitete die Förderanträge bei der Innosuisse und beim Forschungsfonds Aargau.

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