ProjektCoperitus GmbH, Gipf-Oberfrick

Genial einfach

#1724

Wenn Luft im Heizsystem bleibt, drohen Störungen, Energieverluste und teure Reparaturen. Das muss nicht sein: Die Fricktaler Coperitus GmbH hat eine ebenso einfache wie kostengünstige Alternative zur herkömmlichen Vakuumentgasung entwickelt.

In der Schweiz stehen rund eine Million Einfamilien- und 400'000 Mehrfamilienhäuser. Weil reine Stromheizungen – wie etwa in England oder Frankreich verbreitet – hierzulande nicht mehr erlaubt sind, basiert die Wärmeversorgung fast überall auf Warmwassersystemen. 

Aus technischer Sicht müssten Warmwasserheizungen regelmässig entlüftet werden. In Überbauungen kommen Vakuumentlüfter zum Einsatz. «In den meisten anderen Liegenschaften», weiss Coperitus-Gründer Jürg Bichsel, «wird von Hand entlüftet – wenn überhaupt.»

Die Folge: Chemische Prozesse im Wasser sowie Leckagen lassen in den Leitungen und Radiatoren ein Gemisch aus Sauerstoff, Stickstoff und Kohlendioxid entstehen, das das Funktionieren der Anlagen beeinträchtigt.

Die Gase verursachen Geräusche, die den Wohnkomfort beinträchtigen. Ausserdem beschädigen sie die Pumpen und verkürzen die Lebensdauer der Anlagen. Und vor allem reduzieren sie die Effizienz der Wärmeverteilung; zum einen, weil Gase die Wärme weniger gut leiten als Wasser; zum anderen, weil sich Gaspolster vorzugsweise an der höchsten Stelle im Wasserkreislauf sammeln, was bei den betroffenen Radiatoren zum Totalausfall führen kann.

All diese Probleme sind bekannt. «Aber die Branche hat sich damit abgefunden», kritisiert Jürg Bichsel. Der heute 67 Jährige darf sich ein offenes Wort erlauben. Er verbrachte sein ganzes Berufsleben in der Heizungs-, Lüftungs- und Klimatechnik (HLK), als Ingenieur und Manager in Grossunternehmen, als Hochschuldozent und ab 2020 als Bauherrenberater mit der Coperitus GmbH.

Dabei wäre es wohl geblieben, wenn ihm nicht eines Tages bei der Gartenarbeit ein Licht aufgegangen wäre. Er fragte sich, weshalb ein Wasserschlauch mitunter rauscht, und ahnte bereits die Antwort: Eine Knickstelle im Schlauch lässt die Strömungsgeschwindigkeit ansteigen und den statischen Druck im Schlauch abnehmen.

Ein Brainstorming mit seinem damaligen Geschäftspartner führte zur Idee, den so genannten Venturi-Effekt für die Entgasung von Heizungen zu nutzen. Das Konzept: Eine Düse im Heizkreislauf lässt den Wasserdruck vorübergehend sinken. Dadurch verringert sich die Fähigkeit des Wassers, Gase zu binden – sie werden freigesetzt und können abgeführt werden.

Jürg Bichsel verweist auf die Eleganz der Erfindung: «Einen Bypass mit Engstelle, eine Pumpe und eine Steuerung: Mehr braucht es nicht, um eine Heizung permanent zu entgasen.»

«Jürg Bichsel zeigt, was innovative Kleinunternehmen leisten können: Er hat das lange bestehende Problem einer ganzen Branche gelöst.»

Reto Eggimann, Technologie- und Innovationsexperte

Freie Bahn nach der Patentrecherche

Die vom HTZ organisierte Patentrecherche am Eidgenössischen Institut für Geistiges Eigentum IGE zeigte auf, dass Bichsel mit der Kommerzialisierung seiner Idee keine fremden Rechte verletzen würde. Eine Studie der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW erwies die Machbarkeit. «Ausserdem», so Reto Eggimann, Energieexperte beim HTZ, «gelang es uns, Fördermittel der Innosuisse und des Forschungsfonds Aargau einzuwerben.»

Der günstigste Vakuumentlüfter kostet aktuell rund 5000 Franken; zu viel für private Hauseigentümer. Jürg Bichsel peilt einen Gestehungspreis von rund 2000 Franken an. Voraussetzung dafür ist die Verwendung von industriell verfügbaren Komponenten. Die Suche nach Lieferanten läuft. Ein Masterstudent der FHNW entwickelt eine programmierbare Steuerung.

Im zweiten Quartal 2026 will Jungunternehmer Bichsel mit seinem Gerät «in ein Objekt gehen». Das Entgasungssystem namens Degas soll installiert und in der Heizperiode 26/27 belastbare Messdaten liefern; insbesondere zur Energiebilanz der Heizungen.

Wie Degas vermarktet werden soll, ist noch offen. Als Vertriebskanäle bieten sich die HLK-Industrie, das Heizungs- und Sanitärgewerbe oder Fachplaner und Architekten an. Sicher ist für Bichsel nur eines: «Produzieren wird ein Schweizer KMU.»

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