Hightech Zentrum Aargau

Die Sitze in der Economy-Klasse sind nicht auf die Bedürfnisse von Kleinkindern zugeschnitten, insbesondere bei Langstreckenflügen. Das Hightech Zentrum Aargau hat den Unternehmer Harald Riner dabei unterstützt, eine Lösung für dieses Problem zu entwickeln.

Harald Riner, Berufspilot und FEAM-Elektroniker, gründete 1994 in Muri zusammen mit seinem älteren Bruder die Firma «Euroshuttle», spezialisiert auf Charterflüge für Geschäftskunden und auf Reisedienstleistungen. Das Start-up gewann schnell an Flughöhe und bald waren zwei Chefs einer zu viel. Harald Riner wechselte zu Weinberger nach Dietikon. Für den Hersteller von Hochgeschwindigkeitskameras baute er die US-Niederlassung auf. Nach der Rückkehr mit der Familie in die Schweiz folgten weitere Kaderpositionen. Heute ist Riner wieder selbständig. Mit seiner Aircraft Innovations GmbH will er technische Produkte für die zivile Luftfahrt entwickeln.

Das erste Produkt ist der «Junior Comfort Seat». «Wir wollen den Economy-Sitz in eine kinderfreundliche Umgebung verwandeln», erläutert Riner. Das aufblasbare Element bewahrt das Kind vor einem Sturz in den Fussraum. Entwickelt wurde der Sitz gemeinsam mit Sarna Plastec. Zum System gehört eine Pumpeneinheit («Inflator»), die mehrere Kriterien erfüllen muss: akkubetrieben, leicht, leistungsfähig und emissionsfrei im Betrieb, einfach zu bedienen und zuverlässig.

Der gute Lotse HTZ

Ein Patentanwalt empfahl Riner, zusammen mit dem Hightech Zentrum Aargau (HTZ) eine begleitete Patentrecherche durchzuführen. Am HTZ übernahm Beat Bachmann, Technologie- und Innovationsexperte mit Pilotenlizenz, den Fall. Das Resultat der Recherche: auf dem Markt gab es kein vergleichbares Produkt. In der Folge evaluierte das HTZ zwei mögliche Entwicklungspartner. Beide wurden besucht, die Wahl fiel auf das Institut für Maschinen- und Energietechnik IME der Hochschule Luzern unter Leitung von Prof. Dr. Ulf Christian Müller.

Nach wenigen Flügen amortisiert

Letztlich wurde das Ziel übertroffen: Ursprünglich hatte man einen Demonstrator angestrebt. Es resultierte jedoch innert kurzer Zeit ein seriennaher Prototyp, der sich für Tests im Flugzeug eignete. Riner rechnet vor, dass sich der «Junior Comfort Seat» bereits innert wenigen Monaten amortisieren lässt. Der Systempreis beträgt weniger als 3000 Franken. Gerechnet wurde mit einem Aufpreis pro Langstreckenflug von rund 50 Franken. Das Interesse ist gross, aber die Corona-Pandemie erschwert die Akquisition. «Das Hightech Zentrum Aargau und das Hochschulinstitut haben einen hervorragenden Job gemacht», sagt Riner. HTZ-Experte Bachmann seinerseits lobt die zielbewusste Abwicklung und die starke Kundenorientierung des Hochschulinstituts. Bisher wurden ein Dutzend Einheiten hergestellt. Riner hat bereits ein nächstes innovatives Produkt in der Konzeptphase: den «ECO Sleeper», eine ebenfalls aufblasbare Schlafunterlage für erwachsene Economy-Fluggäste.

Auf einen Blick

Das HTZ führte mit der Aircraft Innovations eine begleitete Patentrecherche durch. Danach evaluierte es den bestgeeigneten Entwicklungspartner, vermittelte Bauteilelieferanten und diente ausserdem als Sparringpartner.