Hightech Zentrum Aargau

Das Hightech Zentrum Aargau hat die NeoRescue GmbH bei der Entwicklung einer «Lifebox» zur Rettung von Säuglingen in Notfällen unterstützt. Das innovative Tool könnte noch 2020 in Serie hergestellt werden. Erste Feuerwehren und Spitäler wollen die «Lifebox» erwerben.

Glücklicherweise kam niemand zu Schaden durch jenen Brand, der 2015 in der Küche der Neonatologie des Kantonsspitals Aarau KSA ausbrach. Die Betriebsfeuerwehr war schnell Herr der Lage. In den folgenden Einsatzbesprechungen verfestigte sich allerdings bei den involvierten Feuerwehrleuten eine Überzeugung: Einsatzdoktrin und Rettungsmittel müssten im Rahmen einer grösseren Übung überprüft werden. Insbesondere die Evakuation von Säuglingen unter erschwerten Bedingungen sollte trainiert werden.

David Selinger, CEO und Mitgründer NeoRescue GmbH, Unterentfelden

«Der Experte des Hightech Zentrums Aargau war in verschiedenen Bereichen für uns auch ein Coach. Er hat uns immer wieder mit wertvollen Inputs unterstützt.»

Eine Lösung für Kleinkinder fehlt

Feuerwehrleute verfügen im Einsatzfall über eine individuelle Atemluftversorgung. Gefährdete Drittpersonen, z.B. Pflegepersonal, werden mit «Fluchthauben» ausgestattet. Diese sind jedoch im Fall von Kleinkindern erst ab einem Alter von rund 15 Monaten verwendbar. Aus diesem Grund wurde im KSA auch nach speziellem Material für die Babyrettung gesucht – ohne Erfolg. Eine Gruppe von Angehörigen der KSA-Betriebsfeuerwehr begann daher in der Freizeit, einen Prototypen zu entwickeln. Dieser stiess auch in anderen Spitälern auf Interesse, sagt David Selinger, damals Vizekommandant der KSA-Betriebsfeuerwehr.

Die Arbeitsgruppe um Selinger wurde spitalintern in ihrem Vorhaben bestärkt, insbesondere durch Prof. Hans-Florian Zeilhofer. Der Chirurg war mit einem Teilpensum am KSA tätig. Daneben engagierte er sich als Delegierter für Innovation der Universität Basel und als Unternehmer. Er knüpfte Kontakte nach Brugg: Zur Erdmann Design AG mit Medtech-Designerfahrung und zum Hightech Zentrum Aargau. Im Herbst 2018 wurde die NeoRescue GmbH gegründet. David Selinger, Vater von vier Kindern, übernahm die CEO-Funktion. Mit Unterstützung des HTZ konnte eine Machbarkeitsstudie realisiert werden. Als Forschungspartner war das Hightech-Forschungs-Zentrum der Universität Basel dabei. Dessen Experten brachten Know-how zur Entwicklung eines Belüftungssystems für die Box ein. Im Fall, dass ein Säugling überwacht werden muss, , lassen sich die Monitore bei der Evakuation mitführen. Die Box ist feuer- und schlagfest und wiegt mit 18 Kilo noch die Hälfte der Anfangsversion.

Leendert den Haan, Innovations- und Technologieexperte des HTZ, übernahm zusätzlich die Funktion des Coaches für das Start-up. Er beriet das Team – Personen der Betriebsfeuerwehr und aus der Pflege – in Fragen wie Produktzulassung, Marketing und Vertrieb. Auch brachte er NeoRescue als Pilotkunden in ein Pilotprojekt ein. An diesem beteiligten sich neben dem HTZ die ZHAW School of Management and Law und das Gründerzentrum der Universität Basel. Dabei erstellten Masterstudenten, die berufsbegleitend studieren, einen ersten Businessplan.

Auf einen Blick

Das HTZ hat NeoRescue in zweifacher Hinsicht beraten: Zunächst mit einer Machbarkeitsstudie, in deren Verlauf eine Rettungsbox für Neugeborene und Kleinkinder entwickelt wurde. Danach coachte der HTZ-Experte das junge KMU in diversen unternehmerischen Fragen.

PD Dr. med. dent. Stefan Stübinger, Hightech-Forschungszentrum für Cranio-Maxillofacial Chirurgie der Universität Basel, NeoRescue GmbH

«Die Kooperation mit den interdisziplinären Partnern aus Hochschule und Industrie hat es uns erlaubt, die Vision einer innovativen und medizinisch überaus wichtigen Entwicklung zielführend mitzugestalten. Auf diese Weise konnten neben der eigentlichen Projektidee neue Netzwerke für die Zukunft aufgebaut werden.» «Die reale Erfahrung, die das Team um NeoRescue in einer Notfallsituation im Spital erlebt hat, hat die Wichtigkeit und vor allem die Notwendigkeit einer solchen Innovation von Anfang an klar demonstriert. Daraus ergab sich sicherlich die Herausforderung, allen Ansprüchen effizient, nachhaltig und schnell nachkommen zu können, um zeitnah im Alltag eine Lösung für das Rettungspersonal sowie die kleinen Patienten anbieten zu können.» «Der menschliche und professionelle Teamspirit des HTZ, der durch eine exzellente Infrastruktur, Kommunikation und das Verständnis für medizinisch-technische Probleme und Lösungen ergänzt wurde, war von Anfang an ein verbindender und massgebender Faktor, dass das Projekt in so kurzer Zeit zu einer erfolgreichen Produktentwicklung führen konnte.»